27.05.2026

Porträt von Hermann Ure – der beim Fischen seine Berufung fand

Fisch statt Feierabendbier

«Küchenchef Pius bestellt immer die grossen Fische fürs Berghotel Mettmen», sagt Hermann Ure und strahlt dabei mit seinen Goldforellen um die Wette. Auf seiner Fischzucht in Hätzingen hat der gelernte Schreiner alles: von den Fischeiern bis zu den rund 80 Zentimeter grossen Muttertieren. Und vor allem hat er eines gefunden – seinen Traumberuf als Fischzüchter.

Rückblickend hat er diesen Beruf seinen Kollegen zu verdanken, die den damals 18-Jährigen zu einem Angelausflug auf den Walensee mitgenommen hatten. Der Angelneuling war der Einzige, der an jenem Tag einen Fang nach Hause brachte: «Die Fische kommen halt zu mir, das ist noch heute so», lacht Hermann. Seither sind Fische in seinem Leben omnipräsent – auch in der Liebe, denn seine Frau Trix ist Sternzeichen Fisch.

Drei Tage arbeitet der zweifache Familienvater noch in der Schreinerkluft. Wann immer möglich, schlüpft er lieber in seine Gummistiefel und kümmert sich um die Fische. Zwölf Jahre war er für den Kanton Glarus als freiwilliger Fischereiaufseher unterwegs, zehn Jahre Instruktor für die Anglerausbildung. Die Genehmigung zum Fischzüchter erhielt er dank seines selbst erlernten, umfangreichen Wissens – fast ohne eine Stunde die Schulbank zu drücken.

Vor gut fünf Jahren übernahm Hermi gemeinsam mit seinem ehemaligen Praktikanten und dem Koch Thomas Kamm die Fryberghof-Fischzucht in Hätzingen. Als eine der wenigen Fischzuchten halten sie Muttertiere und streifen deren Eier einmal jährlich ab. Zwei bis drei Jahre später sind die Tiere schlachtreif. Saiblinge, Regenbogenforellen und Goldforellen tummeln sich in den unscheinbaren Betonbecken, die zweimal pro Woche gereinigt werden müssen. Hermi macht jede Aufgabe Spass: «Und zwischendurch gerne mal ein Schwatz mit den Spaziergängern, die wissen, dass ich immer Schokolade im Büro habe.» Für das Berghotel Mettmen filetiert er Gold-, Regenbogen- oder Lachsforellen – in der Küche bekommen die Fische dann ihr letztes Bad in einer saisonalen Panade.

Mit Ausnahme seines Sohnes, der ab und an ebenfalls zur Angelrute greift, konnte Hermi niemanden aus seiner Familie fürs Fischen begeistern. Wenn Hermann im Frühling und Herbst seine Felchen aus dem Zürichsee zieht, sitzt er draussen, während seine Frau in der warmen Bootskabine ihrem Hobby frönt: Häkeln und Stricken. In Ures Küche gibt es mehr Fleisch als Fisch, denn der Charmeur führt seine Trix nach getaner Arbeit gerne in eines der belieferten Restaurants aus. Trix hilft oft beim Einpacken und Ausliefern der Ware. Er sei immer gespannt, wie sein Fisch zubereitet wird.

Im Sommer meidet Hermann die Menschenmassen und fährt ins Engadin, wo auch der tüchtigste Fischzüchter zwei Wochen Urlaub macht – und zwar zum Angeln. Jeden Tag rudert er entweder auf den St. Moritzer- oder den Silvaplanersee hinaus. «Es erinnert mich an Kanada – die Bergwelt und diese Ruhe, wenn du morgens nur das Plätschern des Paddels hörst», schwelgt Hermann in Gedanken. Ob allein oder in Gesellschaft, ob etwas am Haken ist oder nicht: Angeln ist Erholung pur. «Andere gehen ins Feierabendbier, ich eben zum Fischen», vergleicht er sein Hobby. Auch im Winter ist für den passionierten Fischer nicht Schluss – im Gegenteil: Er gibt seine Leidenschaft den Gästen des Berghotels Mettmen gerne ­weiter. Das winterliche Angelvergnügen sei etwas sehr Spezielles. «Es ist einfach nur geil, wenn ich mit den Gästen nach einem Tag beim Eisfischen mit einem breiten Grinsen ins Hotel zurückkehre», schwärmt Hermann von seinen Touren.

Seit bald 40 Jahren hält seine Begeisterung für Fische an. Hermann träumt davon, seinen Schreinerberuf ganz an den Nagel zu hängen und nur noch auf seiner Fischzucht tätig zu sein. An Elan und Ideen fehlt es Hermi keineswegs: Drei bis vier zusätzliche Fischbecken wären eines seiner Ziele – ebenso ein grosser Räucherofen. So könnte er geräucherte Fischfilets verkaufen, die auch Küchenchef Pius auf Mettmen besonders gerne verarbeitet.

 


Hermann Ure 

  • Alter: 55  
  • Aufgewachsen in: Mollis
  • Familie: zwei erwachsene Kinder
  • Beruf: Schreiner, Fischzüchter FBA*
  • Gezüchtete Fische: Saibling, Gold-, Regenbogen- und Lachsforelle
  • Hobby: Fisch und Fischen
  • Liebster Fisch auf dem Teller: (geflammter) Saibling – da er feiner im Geschmack ist als die Forelle und wegen des Aussehens!
  • Schönster Ort zum Fischen: Engadin und British Columbia
  • Erster gefangener Fisch: Egli
  • Beste (Angel-)Zeit auf Mettmen: Winter zum Eisfischen und mit den Gästen des Berghotels Mettmen

* Fachspezifische berufsunabhängige Ausbildung